Grastraining für Pferde: langfristige Lösungen statt Ziehen
Wenn dein Pferd beim Spaziergang ständig ins Gras zieht
Ein typisches Frühlingsproblem
Sobald im Frühjahr das Gras wieder wächst, kennen viele Pferdebesitzer die Situation: Man möchte entspannt spazieren gehen oder ausreiten – und plötzlich zieht das Pferd mit großer Entschlossenheit zum nächsten Grasbüschel.
Das wird schnell anstrengend. Man wird ein paar Schritte in Richtung Gras gezogen oder muss deutlich stärker am Strick ziehen, als man eigentlich möchte. Manche greifen zur Gerte oder ziehen Handschuhe an, um besser gegenhalten zu können. Neben dem Ärger kann das auch ein Sicherheitsproblem sein. Wenn ein Pferd entschlossen zum Gras möchte, hat man als Mensch oft nicht mehr viele Möglichkeiten der Einwirkung.
Dabei steckt hinter diesem Verhalten nichts Ungewöhnliches. Frisches Gras ist für viele Pferde schlicht sehr attraktiv. Gerade im Frühjahr fällt es ihnen besonders schwer, daran vorbeizugehen.
Die gute Nachricht: Es gibt mehrere Wege, mit dieser Situation umzugehen.
Strafe: Eine häufige, aber oft kurzfristige Lösung
Eine Möglichkeit ist positive Strafe. Dabei wird etwas Unangenehmes hinzugefügt, zum Beispiel ein Zug am Zügel oder ein Schlag mit der Gerte, wenn das Pferd nach Gras greift.
Diese Methode wird in der Praxis relativ häufig angewendet. Sie kann kurzfristig funktionieren, weil das Pferd lernt, dass der Griff nach Gras unangenehm sein kann.
Langfristig ist diese Strategie jedoch oft wenig stabil. Für viele Pferde hat Gras einen sehr hohen Wert. Sie versuchen deshalb häufig, einen Moment zu finden, in dem der Mensch unaufmerksam ist oder nicht schnell genug reagieren kann. Außerdem empfinden viele Pferdebesitzer diese Vorgehensweise als unangenehm im Umgang mit ihrem Pferd.
Management: Probleme gar nicht erst entstehen lassen
Eine andere Möglichkeit besteht darin, das Problem über Management zu entschärfen.
Anti-Fressnetze
Einige Besitzer verwenden Anti-Fressnetze, die am Halfter befestigt werden. Sie funktionieren ähnlich wie ein Maulkorb und verhindern, dass das Pferd Gras aufnehmen kann.
Der Vorteil ist, dass diese Netze meist leicht sind und das Fressen zuverlässig verhindern. Allerdings gibt es auch Nachteile. Das Füttern von Hand wird schwieriger und so manches Netz geht schnell kaputt, wenn das Pferd hineintritt oder energisch versucht, ans Gras zu kommen.
Maulkorb
Ein nach unten geschlossener Maulkorb verhindert ebenfalls, dass das Pferd Gras frisst. Viele Modelle sind stabiler als die Anti-Fressnetze.
Allerdings sollten sie gut passen, da sie oft relativ steif sind. Auch hier wird das Füttern von Hand komplizierter. Teilweise können sie - je nach Ausführung des Maulkorbs - auch die Einwirkung von Gebiss oder Nasennstück stören. Außerdem wirken Maulkörbe auf manche Menschen sehr wuchtig, so dass sie nicht mit ihnen ins Gelände gehen möchten.
Wege bewusst auswählen
Auch die Wahl der Strecke hat viel Einfluss. Im Wald wächst meist weniger Gras, sodass das Pferd seltener versucht zu fressen. Wege mit Ackerflächen am Rand können ebenfalls entspannter sein.
Besonders schwierig sind dagegen Wege mit dichtem Grasbewuchs. Gerade im Frühjahr lohnt es sich oft, solche Strecken vorübergehend zu meiden. Das kann viel Zieherei und Frust ersparen.
Fresszeiten berücksichtigen
Manchmal hilft es auch, spazieren zu gehen, wenn das Pferd gerade gefressen hat. Ein sattes Pferd zeigt häufig weniger Interesse am Gras. Bei sehr futtermotivierten Pferden ist dieser Effekt allerdings oft begrenzt.
Futtererziehung: Die langfristige Trainingslösung
Langfristig kann Futtererziehung eine sehr hilfreiche Lösung sein. Dabei lernt dein Pferd schrittweise, höflich mit Futter umzugehen und Abstand zu halten, auch wenn Futter erreichbar ist. Das Training beginnt mit einfachen Übungen und wird langsam gesteigert.
Typische Trainingsschritte können zum Beispiel sein:
- Dein Pferd bleibt ruhig stehen, während du mit gefüllter Futtertasche neben ihm stehst.
- Dein Pferd bleibt ruhig stehen, während ein leerer Kübel neben ihm steht.
- Dein Pferd bleibt ruhig stehen, während ein gefüllter Kübel neben ihm steht.
- Du kannst neben deinem Pferd mit einem leeren Futterkübel in der Hand laufen, ohne dass dein Pferd danach drängt.
- Du kannst neben deinem Pferd mit einem gefüllten Futterkübel in der Hand laufen, ohne dass dein Pferd danach drängt.
- Dein Pferd lässt sich an mehreren leeren Kübeln vorbeiführen, ohne danach zu greifen.
- Dein Pferd lässt sich an mehreren gefüllten Kübeln vorbeiführen, ohne danach zu greifen.
Sinnvollerweise wird dieses Training über positive Verstärkung aufgebaut. Das Pferd lernt dabei aktiv, höfliches Verhalten zu zeigen. Dadurch entsteht ein Verhalten, das das Pferd selbstständig anbietet.
Bei rein strafbasierten Methoden bleibt dagegen oft das Problem bestehen, dass das Pferd versucht, unbemerkte Gelegenheiten zum Fressen zu nutzen.
Erst wenn solche Übungen zuverlässig funktionieren, lohnt es sich, das Training wieder auf die Situation mit Gras zu übertragen.
Das Training erfordert etwas Übung und ein gutes Timing vom Menschen. Dafür entsteht eine langfristige Lösung, die für beide Seiten deutlich angenehmer ist.
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März 2026